Startseite Christian 10. Juni 2026

Faire Rahmenbedingungen für Rechtsanwält:innen mit Kinderbetreuungspflichten

Ein Positionspapier zur Reform von Beitrags- und Pensionsmodellen im Kammer-System.

Rechtsanwält:innen mit Kinderbetreuungspflichten: Forderung nach mehr Flexibilität im Kammer-Pensionssystem

Unser Positionspapier wurde in kurzer Zeit von über 1.000 Jurist:innen aus dem Kreis der Anwaltei unterstützt. Viele Kolleg:innen haben uns in Gesprächen und E-Mails von ihren Nachteilen und Vorschlägen berichtet. Einige holen wir vor den Vorhang.

Flexible, bedarfsgerechte Beitragsmodelle für Eltern mit Betreuungspflichten nach der Karenz.

Unser
Anliegen

Unsere Position bezieht sich auf die Zeit nach der klassischen Karenz, wenn der Wiedereinstieg erfolgt, aber weiterhin intensive Betreuungspflichten der Eltern bestehen. Die Kinderbetreuung endet nicht mit dem ersten oder zweiten Geburtstag eines Kindes. Viele Herausforderungen – etwa unflexible Öffnungszeiten, Krankheitsphasen, fehlende Nachmittagsbetreuung – entstehen erst ab dem Kleinkindalter. Gerade in dieser Zeit ist der Spagat zwischen familiärer Verantwortung und beruflicher Präsenz besonders groß – und strukturell am wenigsten unterstützt.

Zudem ist eine vollständige Karenzierung nicht für alle Rechtsanwält:innen praktikabel oder gewünscht:

  • Viele selbstständig tätige Anwält:innen möchten den Beruf nicht vollständig unterbrechen oder

  • können dies aus wirtschaftlichen oder mandatsbezogenen Gründen nicht realisieren.

Unsere Forderungen zielen daher auf eine flexible, bedarfsgerechte Beitragserleichterung für Eltern mit Betreuungspflichten nach oder statt der Karenzzeit ab – und ergänzen somit sinnvoll eine mögliche Karenzregelung.

Wer den Zugang zum Anwaltsberuf für Eltern – insbesondere Mütter – nachhaltig verbessern will, muss finanzielle Hürden im Beitragswesen strukturell abbauen und das System dem flexiblen ASVG-Schema anpassen und eine Durchlässigkeit der Systeme bewirken.

Ziel dieses Positionspapieres ist es, eine finanziell und fachlich tragbare Lösung für Frauen nach der Geburt eines Kindes sowie für alle Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen während aufrechter Betreuungspflichten zu erreichen. Es sollen flexiblere Modelle für die Berufsausübung geschaffen werden, damit Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen ihre Arbeit mit Betreuungspflichten vereinbaren können, ohne dabei unverhältnismäßige finanzielle oder fachliche Belastungen tragen zu müssen.

Viele Rechtsanwält:innen kehren nach der Karenz in ein System zurück, das keine Zwischenstufen zwischen voller Belastung und vollständiger Karenz kennt.

Die Realität liegt dazwischen – genau dort entstehen die größten Spannungen.

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Stimmen
aus der
Praxis

Ich bin mit großer Leidenschaft Rechtsanwältin. Ich liebe meinen Beruf, die inhaltliche Arbeit, die Verantwortung und die Möglichkeit, Mandantinnen und Mandanten bei wichtigen Entscheidungen zu begleiten.
Gleichzeitig bin ich Mutter eines kleinen Kindes – und genau diese beiden Rollen miteinander zu vereinbaren, stellt mich wie viele andere Kolleginnen und Kollegen vor erhebliche Herausforderungen.

Mag. Stefanie Präauer, BA - Rechtsanwältin
Mag. Stefanie Präauer, BA Rechtsanwältin
„Ich empfinde die Zeit nach der Karenz finanziell als besonders belastend, obwohl ich durchgehend gearbeitet habe.“
– Anonym
„Es ist so wichtig, dass sich da endlich etwas ändert…
Ich habe neben drei kleinen Kindern und dem Job einfach keine Kapazität mehr gehabt, mich zusätzlich zu engagieren…“
– Anonym
Ein Jahr nach meiner Eintragung als Rechtsanwältin habe ich die Chance ergriffen, als Inhouse-Juristin zu einem österreichischen Kreditinstitut zu wechseln.
Sieben Jahre, wertvolle Berufserfahrung als Bankjuristin und zwei Kleinkinder später habe ich mich bewusst dafür entschieden, in die Anwaltei zurückzukehren. Wohlwissend, dass dieser Schritt mit erheblichen finanziellen Einbußen verbunden sein würde.

Angela Hirsch
Mag. Angela Hirsch Rechtsanwältin
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